Schluss mit Ge(h)schlecht: GEH GUT!
- einevonuns

- 16. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Dez. 2025
Vorwort
Ich hole zum besseren Verständnis kurz meine eigene Geschichte an meine Seite, denn das schenkt uns jetzt vielleicht eine begehbare Brücke. Ich war fünf, als mir mein Kindergartenkumpel seine Zunge in den Mund schob, ich vor Ekel spuckte und er mir dann feierlich erklärte, dass Mann das so macht, wenn Mann sich gern hat. Ich wusste lange Zeit nicht, dass das ein Übergriff war und mich tief verletzt hat. Wahrscheinlich deshalb durfte ich in jedem Jahrzehnt meines Lebens mindestens eine Erfahrung von sexuell getriebenen Übergriffen von Männern machen und ausprobieren, wie dieses Problem für mich lösbar sein kann. Das Problem der offensichtlich überwiegenden Triebsteuerung, der Hierarchie-Setzung, des Bevormundens, der Zurschaustellung von Kraft und Autorität, des Sichgeliebtfühlens und so weiter und so fort. Erlebt innerhalb und außerhalb von Beziehungen, erlebt mit Menschen unterschiedlichster Kultur und Prägung. Zusammenfassung: In meinem Leben gab es absolut genug Anlässe, um das männliche Geschlecht abzulehnen. Reagiert wurde dementsprechend auch auf die unterschiedlichsten Arten: Ignoranz, Anzeige, Gewalt, Flucht. Alles keine zufrieden stellenden Lösungen, denn das alles waren Opfer- oder Täterreaktionen. Immer den einen oder den anderen Pol nutzend. So geht das Spiel endlos weiter. Ohne mich.
WHAT THE FUCK IS OUR JOB?
Gestern wurde ich von einem Mann an der Universität Würzburg sexuell bedrängt. Mitten im small talk ergreift er meine Hand, führt sie an seinen Schritt und sagt schlichtweg: „You make me horny.“ Er versucht mich zu küssen. Ich ziehe die Hand weg, fange an zu weinen und sage nur „You should not have done that“ bevor ich mich in meinem Schockzustand in ein x-beliebiges Gebäude rette. „You‘re crazy!“ brüllt er mir hinterher.
Schon auf dem Rückweg ins sichere Zuhause beginnt die innere Verhandlung. Warum ist das passiert? Warum mir? Habe ich Signale gesendet? Wie gehe ich damit um? Ich analysiere das gezeigte Muster und muss bei dem Versuch, mir mit „You‘re crazy!“ noch Schuldgefühle einreden zu wollen fast laut lachen, wäre es nicht so traurig. Ich bemerke allerdings, dass ich selbst bei all der Angst keinen Hass hatte; auch jetzt nicht wütend bin. Das war früher anders. Aber es war auch kein Mitgefühl für ihn da, weil in meiner Realität kein Platz mehr für solches Verhalten ist.
In den vergangenen Jahren habe ich viel Zeit damit verbracht, männliches und weibliches Prinzip in mir in Ausgleich zu bringen, weil nur das für mich eine ideale Basis für Dualitätswelten ist. Im Kollektiv gibt es da aber einen offensichtlichen Konflikt, diese Basis zu finden und wie ich gestern erfahren durfte zeigen sich die Extreme jetzt nochmal besonders laut: Tradwife-Bewegung, Filme (Caveman, Alphamännchen, nochmal Stromberg), Bücherlandschaft, politische Bewegungen. Jap, das Chaos um die Geschlechter ist da, aber vielleicht wollen wir anstatt Krieg zu führen mal die Idee ins Auge fassen, Geh-schlecht durch Geh-gut zu ersetzen. Ja, wir bringen das Patriarchat zu Fall, aber nicht, weil jetzt ein Matriarchat entstehen soll. Ja, die Frauen stehen auf gegen die Männer, um ihnen zu zeigen, was wir alles haben mit uns machen lassen. Ja und ja und ja, Ungleichgewicht. Es sieht aber so aus: Das weibliche Prinzip hat sich auf eine andere Stufe begeben. Ganz allein, aus eigenem Antrieb heraus. Ohne das Männliche. Wenn es nicht die Chance entgegengebracht bekommt, es ihr gleichzutun, dann kommt es zu keiner neuen Balance und keinem Gehgut, weil dann wieder ein anderes Extrem gelebt wird. Das ist mein Gedankenspiel für uns heute. Obwohl wir alle irgendwelche doofen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht haben: ich will dem männlichen Prinzip unbedingt den Raum geben, mit dem weiblichen auf dieser neuen und viel harmonischeren Ebene zu existieren. Sofern es dahin mit will.
Was mache ich also jetzt mit dem Arsch von gestern? Die Entscheidung ist längst gefallen. Ich schenke ihm keine Energie mehr, denn er hatte Zeit, sich zu überlegen, wie er mit sich sein will und entschieden, im alten Muster zu bleiben. Für Menschen, die es bis jetzt nicht geschafft haben, sich Mitlebenden gegenüber respektvoll zu bewegen und aufgrund von alten Geschlechterrollen (miss)handeln, ist in MEINER Realität kein Platz mehr. Aber ich lasse ihn gut gehen, denn Dank ihm habe ich diese Entscheidung ja treffen können.
Wie immer kann das morgen schon wieder ganz anders sein, aber im JETZT ist das. So.




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